Stephan Swat: Packen wir es an!

 


WochenENDspiegel-Interview mit dem EHV-Cheftrainer 

 

Aue.  Die erzgebirgische Handballfamilie steht nach wie vor unter dem Eindruck des erreichten elften Ranges  der Vorsaison und der erzielten 37:39 Punkte. Das Ziel, nicht zu den fünf Absteigern aus Liga zwei zu gehören, wurde mit hohem kämpferischem und spielerischem Einsatz  erreicht. Dennoch  ist dieser Erfolg nur noch Vergangenheit. Das Trainerteam und die Mannschaft  sind seit dem Trainingsauftakt am 15. Juli und spätestens nach dem ersten Vorbereitungsspiel am 23. Juli gegen LVB Leipzig längst in der neuen Spielzeit angekommen. Dr. Hans-Joachim Schwochow sprach mit Chefcoach Stephan Swat (42) darüber, mit welchem Anspruch der EHV  in seine 29. Zweitliga-Saison geht.

 

Eric hinterlässt eine große Lücke. Aber es gehört zum Handballalltag, dass verdienstvolle Spieler das Team verlassen und neue Führungsspieler heranreifen müssen.

Eine 1:1-Kopie zu Eric wird es nicht geben können. Benas Petreikis, Bengt Bornhorn, Kevin Roch  oder Ladislav Brykner verfügen über das Potenzial, in diese Rolle hineinzuwachsen. Allerdings nicht gleich am ersten  Spieltag, wohl aber im Laufe dieser und der kommenden Saison.

 

Sind  Sie mit der Integration der „Neuen“ Adrian Kammloth,  Julius Schroeder und Gabriel De Santis zufrieden?

 

Durchaus. Leider zog sich Julius Schroeder  im ersten Training einen Bänderriss zu. Ich hoffe, dass er sehr schnell wieder ins Team zurückkehrt und uns helfen kann.  Adrian Kammloth auf der Rückraum-Links-Position und Gabriel De Santis als Linkshänder - beide ehemalige Elbflorenz-Dresden-Spieler -  sind bereits gut in die Mannschaft integriert. Dazu trugen sicherlich das Trainingslager im Sportpark Grünheide und der Sparkassencup in Eisenach bei. Beide  bringen Erfahrung aus der 2. Liga mit und mit der Sicht „von außen“ als  früherer Gegner schätzen sie unsere Spielweise als sehr spielstark ein und wollen ihren Beitrag leisten, um mindestens wieder genauso stark zu sein.

 

Wie bewerten Sie das  Angriffsverhalten  und das  Rückraumspiel Ihrer Mannschaft?

 

Im Wesentlichen fällt meine Einschätzung positiv aus. In einer HBL-Statistik nimmt unser Angriff den sechsten  Platz ein. Mit diesem „Pfund“ müssen wir weiter wuchern. Eine Vielzahl herausgespielter  Siebenmeter beweist überzeugend  unsere Durchschlagskraft. An dieser Aggressivität  müssen wir besonders im Rückraum weiter arbeiten.  Neben unserem Angriffsspiel muss es uns außerdem noch besser gelingen, unser Abwehrverhalten effektiver der Spielweise des Gegners anzupassen. Das verlangt taktische Flexibilität aller Spieler.

 

Wagen Sie eine Prognose, wo Ihr Team nach dem letzten Saisonspiel am 23. Mai auswärts gegen TuS N-Lübbecke steht?

 

Ich hoffe sehr, dass wir dann weiterhin in der 2. Liga spielen können.  Immerhin würde die Saison 2020/2021 für den EHV die 30. in der 2. Liga sein. Beachten sollten wir, dass von der auf 18 Teams verringerten 2. Bundesliga zwei Mannschaften direkt absteigen und eine in die Relegation muss. Für uns heißt dies, dass wir wie in der vergangenen Saison wiederum mindestens  den 15. Tabellenrang erreichen müssen.

 

Fast schon eine rhetorische Frage:  Wer werden die Auf- und Absteiger sein?

 

Bei der spielerischen Ausgeglichenheit der 2. Bundesliga favorisiere ich als Aufsteiger in die 1. Liga die SG BBM Bietigheim. Dahinter dürfte - um es salopp zu sagen - ein Hauen und Stechen um den zweiten Aufstiegsplatz geben. Gummersbach, HSC Coburg 2000, TuS N-Lübbecke und TuSEM Essen dürften am chancenreichsten sein. Bei dieser Konstellation ist die Frage nach den Abstiegskandidaten schwer zu beantworten.

 

Spüren Sie nach 13 Jahren als Co- und Cheftrainer vor dem Saisonstart immer noch das viel zitierte „Bauchkribbeln“?

 

Durchaus. Ich freue mich auf das neue Spieljahr und seine Herausforderungen. Bestimmt geht das dem EHV-Präsidium, dem Management, den medizinischen und  physiotherapeutischen Betreuern,  dem gesamten Umfeld der Mannschaft sowie den Fans ebenso.

Natürlich würde mich außerdem freuen, wenn künftig der gesamte Erzgebirgskreis hinter seinen Leistungshandballern stünde.  Da gibt es durchaus noch Reserven. In diesem Sinne: Packen wir es an!

  Foto: H. Wolf

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